Fiorino Historie
Der Fiorino auf Fiat 127 / 147 - Basis
Mitte des Jahres 1978 kam der erste Fiorino Kleintransporter auf der
Basis des 1971 lancierten Fiat 127 auf den deutschen Markt, benannt nach
einer alten florentinischen Goldmünze.
Angetrieben von den 127-Vierzylindern mit 896 ccm und 45 PS (33 kw), gut
für 125 km/h Spitze, wies der kastenförmige Aufbau ein Fassungsvermögen
von 2,5 Kubikmeter Raum und eine Nutzlast von 360 kg auf. Die Preisempfehlung
lag bei 8990 DM.
Gebaut wurden die Fiorino im brasilianischen Fiat-Werk Belo Horizonte.
Ab März 1979 erhielt er eine stärkere Maschine mit 1050 ccm
und 50 PS (37 kw). Gleichzeitig gab es als eine weitere Version dieser
Baureihe neben dem Kastenwagen auch einen (verglasten) Kombi mit zwei
leicht hochklappbaren oder herausnehmbaren seitlichen Sitzbänken
für je zwei Personen. Damit war der Fiorino Kombi ein vollwertiger
6-Sitzer PKW und Transporter in einem. Der Kasten kostete nun 9140 DM,
der Kombi 9740 DM.
Zu diesem Zeitpunkt lief von der 127 Limousine gerade der 4 Millionste
PKW vom Band!
Im Sommer 1980 wurde der 127 Kombi-Fiorino in Italien sogar als Mini-Camper
ausgebaut. Firma Weinsberg nahm damals schon Maß...
Der 127 Fiorino als Camper
Ende 1981 war es soweit: es gab einen Fiat Fiorino mit Weinsberg-Ausbau.
Das Allzweck-Mobil bot eine Sitzgruppe, die nachts zu einer Liegefläche
für zwei Personen (190 cm x 122 cm) verwandelt wurde. Ein Kombischrank
beherbergte die ausklappbare Tischplatte, Kleiderschrank, Staufächer
und Campinggasflasche. Das übrige Reisegepäck kam unter in Staukästen
links und quer hinter dem Fahrerhaus sowie in zwei Dachstaukästen
oberhalb des Kombischrankes. Die "Küche" fand ihren Platz
unter der Längssitzbank. Zum Kochen wurde der Zweiflammenkocher auf
einer Rollenschiene ausgezogen. Wasser spendete ein Wassersack, der gleich
nebenan an der Tür hing. Ein ebenfalls mit angebotenes Heckzelt erweiterte
den Lebensraum beträchtlich.
Die letzten Fiorino auf 127 / 147 - Basis
Ende 1982 bekam die Fiorino Baureihe eine Reihe von Ausstattungsverbesserungen
und ein neues Gesicht, ähnlich dem brasilianischen 147. Die Preise:
Kombi 6-Sitzer: 11628 DM, Kasten: 10724 DM.
Im Sommer 1983 wurde die Baureihe um den "Panorama" erweitert,
ein Kombi mit herkömmlicher hinteren Sitzbank. Auch der neue Pick
up kam ins Programm, der ab Anfang 1984 auch in Deutschland angeboten
wurde. Die Bodengruppe des Pick up war verstärkt und hatte stärker
dimensionierte Aufhängungen. Die Preise: ab 9470 DM als Benziner,
ab 11075 DM als Diesel.
Im Mai 1984 erhielt die Baureihe weitere Verbesserungen und ein Facelift.
Die Front zeigte nun die fünf Chromstäbe als Zeichen seiner
Familienzugehörigkeit.
Im März 1987 erschien das neue Fiorino-Modell "Jolly":
1,1 Liter Benziner mit 56 PS (41 kw) oder mit 1,3 Liter Diesel mit 45
PS (33 kw).
Der Fiorino auf Fiat Uno - Basis
Anfang 1988 fand nach 250.000 verkauften 127-Fiorino der Generationswechsel
statt. Nun basierte der Fiorino auf dem Uno Brazil, der im Fiat-Werk Belo
Horizonte vom Band lief.
Wieder in den bewährten Karosserieformen Kasten, Kombi und Pick up
zu haben. Lieferbar mit 1,7 Liter Dieselmotor mit 57 PS (42 kw), 1,5 Liter
Benziner mit 75 PS (55 kw) und dem 1,1 Liter 55 PS (44 kw) Benziner aus
dem Uno 55. Die Preise: Kasten Diesel: 14350 DM, Kombi 1500 i.e. Kat:
15500 DM und Pick up Diesel: 13700 DM. Die Länge dieser ersten Uno-Serie
betrug 3949 mm, das Nutzvolumen des Kastens vergrößerte sich
auf 2,7 Kubikmeter, die Nutzlast betrug bis 500 kg.
Basierend auf dem Fiat Duna, dem brasilianischen Stufenheckmodells des
Fiat Uno, war das Fahrwerk des neuen Fiorino wesentlich robuster ausgelegt
als beim Vorgängermodell.
1992 wurde der Fiorino renoviert: der Vorderwagen erhielt das angenäherte
Gesicht vom Uno II bei gleichbleibendem Aufbau. Die Satellitenschalter
aus dem UNO I blieben ihm noch.
Zum Januar 1994 erhielt der Fiorino ein vorderes Hochdach aus Blech, das
aktuelle Cockpit aus dem Uno, bequemere Sitze mit neuen Bezügen und
eine andere, gerade Fensterlinie am Aufbau. Technisch wurde verbessert:
stärkere Bremsen, größerer Tank, Verlängerung des
Radstandes um 21 cm (!) - dadurch Vergrößerung des Ladevolumens
auf 3,2 Kubikmeter (entspricht einem Plus von 20%), die Gesamtlänge
wuchs auf 4159 mm. Des Weiteren erlaubte eine überarbeitete Hinterachse
eine höhere Zuladung von 100 Kilo, Nutzlast jetzt 562 kg. Die Preise:
Kasten ab 17768 DM, Kombi Panorama ab 22356 DM und Pick up ab 20226 DM.
1996 kam der neue Turbo Diesel mit 63 PS (46 kw) und ein neuer Kühlergrill.
Erhältlich war der Fiorino nun mit Servolenkung, elektrischen Fensterhebern,
Fahrerairbag, Zentralverriegelung und ABS. Die Preise betrugen 1999: Kastenwagen
ab 15900 DM, Panorama ab 16900 DM.
Im Jahre 2000 wurde die Fiorino Baureihe eingestellt.
Die Fiorino Alkoven - Wohnmobile
Die Fiorino Alkoven WoMos wurden von der spanischen Firma Böos hergestellt
und "Top Viva" genannt.
Die Produktion begann 1994 auf dem Uno II Fiorino Pick up. Das verlängerte
Chassis und die Inneneinrichtung der Fahrerkabine lassen hierauf schliessen.
(Es sind uns keine Fiorino WoMos mit dem Gesicht des Uno I bekannt)
Anfang 1995 wurden die ersten Top Viva nach Deutschland exportiert. Diese
Modelle hatten noch keine Bordbatterie, die Heizung war optional und der
Tisch im Wohnraum war ein Stecktisch mit nur einem Rohr in der Mitte.
Der Aufbau hatte den niedrigen Alkoven und die kleinen Fenster. Frischwasserkanister
und Gasflasche wohnten zusammen hinter einer Stauklappe. Da dies in Deutschland
verboten ist, wurde der Frischwassertank vom deutschen Importeur in den
Innenraum unter die linke Sitzbank verlegt.
Die ersten Aufbauten sahen noch sehr prototypenhaft aus: es schien, als
seien sie gänzlich aus Kunststoff. Der Alkoven war sehr flach, hatte
eine vordere Spitze im Aufbau und die drei seitlichen Fenster (2 links,
1 rechts) waren sehr klein.
Die B-Säule des Pick ups wurde hier erhalten und eine kleine Abrundung
vom Wohnaufbau zur B-Säule geschaffen. Serienmäßig war
ein ausziehbares Bett im Alkoven, es gab keine Heizung, der Durchgang
zum Fahrerhaus war noch klein und eckig.
Es gab zwei Grundrissvarianten: den "Top Viva" und den "Top
Viva C".
Der "Top Viva" hatte lange Sitzbänke im Wohnraum, die jeweils
bis an die Küche, bzw. den Kleiderschrank reichten.
Der "Top Viva C" hatte kurze Sitzbänke und jeweils noch
einen kleinen Stauschrank zwischen Küche und Sitzbank, bzw. Kleiderschrank
und Sitzbank.
Der Preis für das Einsteigermodell lag bei 29.999 DM. Manche wurden
in Deutschland sogar für 26700 Mark angeboten.
Ab 1996 wurde die Abrundung vom Wohnaufbau zu den Fahrerhaustüren
größer, so dass die B-Säule nicht mehr sichtbar war. Der
Tankstutzen verschwand unter einer Tankklappe und der Alkoven wurde höher.
Die vordere Spitze verschwand - der Alkoven war jetzt vorne rund.
Die seitlichen Fenster wurden größer und es befanden sich nur
noch je ein Fenster auf jeder Seite.
Einige Modelle hatten im Alkoven vorne ein Fenster, andere nicht, so dass
es naheliegt, dass dieses Fenster eine Option war. Weitere Optionen müssen
Heckleiter, Dachreling und evtl. eine geteilte Hecktür (?) gewesen
sein.
Anfang 1997 ging die Reisemobilsparte der Böos-Gruppe eigene Wege
und wurde selbstständig. Der Vertrieb der jetzt unter dem Markennamen
VIVA vereinten Mobile übernahm das in Nordspanien beheimatete Herstellerwerk
Canosa. Die Trennung wurde nötig, weil Böos als größter
Fiat PKW Händler in Madrid ohne Verschulden der profitablen Reisemobiltochter
in finanzielle Schwierigkeiten geraten war.
Mitte des Jahres 1997 ging Böos unter dem Namen CNW erneut an den
Start. Produziert wurde weiterhin in Vigo, im Nordwesten Spaniens.
Aus dem Böos Top Viva wurde der CNW Tucan 44.
1998 erschien auf dem modifizierten Fiorino ein überarbeitetes Modell
des "Tucan 44": hergestellt von Caravanas del Noroeste mit dem
Turbo Diesel Motor des Fiorino. Der Aufbau war länger als beim Top
Viva und die Breite hatte ein wenig zugenommen
Das ausziehbare Bett im Alkoven entfiel, der Zuwachs an Länge kam
einem "Badezimmer" und einem Kleiderschrank zwischen Küche
und Heckwand zugute.
Außer neuen Stoffen blieb das bewährte Innenraumkonzept.
Der "Tucan 44" kostete 1998 31300 DM.
Falls der geneigte Leser Informationen über die Fiorino Alkovenmodelle
hat, wären wir ihm sehr dankbar, wenn er uns diese für unser
Archiv und zur Veröffentlichung auf dieser Web-Seite zur Verfügung
stellen könnte.
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